Zwischen den Zeiten
5. Januar 2011 Hinterlasse einen Kommentar
In der Antarktis den Jahreswechsel zu feiern, lohnt sich. Immerhin könnte man dann den ganzen Tag lang jede Stunde wieder das neue Jahr begrüßen, denn in der Antarktis laufen 24 Zeitzonen zusammen. Von Zone zu Zone springen und immer wieder bei 0Uhr zuprosten – was für ein Fest! Dem haben letztlich aber leider die politischen Verhältnisse entgegengewirkt. Und so einfach ist das mit dem Springen auch nicht, denn die Längengerade sind auch dort leider nicht in den Boden eingraviert. Deshalb wurde einmal festgelegt, dass für die Antarktis die sogenannte ‘Koordinierte Weltzeit’ (UTC – ‘Universal Time Coordinated’) gilt, früher einmal bekannt unter der ‘Greenwich Mean Time’ (GMT), also der Zeitzone, die durch den Nullmeridian bei London in Greenwich läuft. Doch weil die Antarktis nicht eine Nation mit festgelegter Herrschaft ist und sie keine Einwohner wie jedes andere Land hat. Sondern nur einzelne Forschungsstationen, richten sich nur einige nach dem Abkommen über die UTC. Die meisten Stationen passen sich an ihre Nationalität oder den Versorgungsort an. So werden beispielsweise die US-Station McMurdo und die US-Südpolstation von Christchurch in Neuseeland versorgt und haben deshalb auch die neuseeländische Zeit übernommen.

Foto: Shaun Heaney
Die meisten Inseln, die im Gebiet der Antarktis liegen, gehören einer Nation an, viele davon zum Beispiel Australien und Frankreich. Hier herrscht dann auch australische bzw. französische (sprich mitteleuropäische) Zeit. Viele Stationen und Inseln haben sich auch eine Sommer- und Winterzeit eingerichtet, in der sich wie in der mitteleuropäischen Zone die Zeit um eine Stunde halbjährlich verschiebt. Allerdings haben einige Stationen die Verschiebung genau umgedreht, weil der Sommer in zum Beispiel Europa in der Antarktis gerade tiefster Winter ist. Wird also bei uns die Uhr eine Stunde vorgestellt, stellen die Stationen sie um eine Stunde zurück und umgekehrt. Einzelne britische Stationen haben aber auch tatsächlich die englische Zeit genau so übernommen, wie sie in Großbritannien läuft.
Man kann sich also gut vorstellen, dass rein zeitlich in der Antarktis ein ganz schönes Chaos herrscht. Doch selbst wenn es zwischen verschiedenen Stationen Kooperationen und Zusammenarbeit gibt, muss ohnehin alles lang geplant werden, denn zwischen den Orten liegen oftmals mehrere tausend Kilometer. Da kommt es dann auf die ein oder andere Stunde auch nicht mehr an.